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RUAG- das Schweizer Luft-
und Raumfahrtunternehmen in Deutschland
Toni J. Wicki, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates
(Es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrter Herr Vorsitzender Rossmanith,
sehr geehrter Herr Botschafter,
meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete,
Vertreter der Streitkräfte, der Ämter, der Ministerien - und der
Industrie.
Es ist für mich eine grosse
Freude und Ehre, Ihnen heute unsere Unternehmens-gruppe und insbesondere
unsere Aktivitäten in Deutschland etwas näher zu bringen. Mein Dank
geht aber zuerst an Sie, sehr geehrte Damen und Herren, dafür, dass Sie
in ihrer Agenda Zeit und Raum für uns gefunden haben. Ich danke Herrn
Botschafter Baumann für seine Grussworte aus der offiziellen Schweiz -
und ganz besonders dem Forum und der Parlamentsgruppe Luft- und
Raumfahrt und ihrem engagierten Vorsitzenden. Wir schätzen es sehr,
dass wir sie alle in diesem Haus zu unseren Gästen zählen dürfen.
Nun – wer ist RUAG? RUAG steht für Aerospace, Defence und Technology.
Hervorgegangen ist die Gruppe aus unselbständigen öffentlich-rechtlichen
Anstalten der Eidgenossenschaft. Diese Betriebe arbeiteten bis in die
neunziger Jahre fast ausschliesslich für die Schweizer Armee. Nach
einem Prozess der Bündelung und Straffung wurde die RUAG 1999 als
Aktiengesellschaft nach privatem Recht in den Markt entlassen, ausgerüstet
mit einer soliden Bilanz, hervorragendem Know-how und gut ausgebildeten
Mitarbeitenden.
In den ersten 6 Geschäftsjahren als Aktiengesellschaft erhöhte sich
der Umsatz von rund 900 Mio. CHF auf rund 1,2 Mrd. CHF. Machte zu Beginn
der Anteil des Geschäfts mit der Schweizer Armee gute 90% aus, sind es
jetzt noch knapp 40%. Das zivile Geschäft haben wir sozusagen von Null
auf einen Umsatzanteil von jetzt 36% entwickelt. Operativ sind wir in
der Schweiz, Deutschland und Schweden tätig und beschäftigen rund
5'500 Mitarbeitende, davon gegen 1'600 hier in Deutschland. Hauptaktionär
der Holding ist nach wie vor die Eidgenossenschaft. Allerdings beschäftigt
sich unser Verwaltungsrat (Aufsichtsrat) nicht zuletzt wegen der Veränderung
im Auftragsportfolio und unserer internationalen Ausrichtung mit der künftigen
Struktur unseres Aktionariates.
Meine Damen und Herren,
Transformation und Wandlungsfähigkeit sind für uns keine theoretischen
Begriffe, sondern gelebte Wirklichkeit. Wir haben die Herausforderungen
angenommen, die sich in Europa nach 1989 im wehrtechnischen Geschäft
und im Markt generell gestellt haben. Neue Ziele wurden aktiv
angesteuert und wir durften bei der strategie-gestützten
Unternehmensentwicklung, das sei ganz offen erwähnt, auch vom berühmten
Quäntchen Glück profitieren.
Unser Unternehmen konnte an langjähriger Erfahrung anknüpfen. Denn
neben der industriellen Modernisierung und Instandhaltung der Flugzeuge
und Hubschrauber der Schweizer Luftwaffe schufen wir uns bereits früher
einen Namen bei der Fertigung von Komponenten für militärische und
zivile Flugzeuge für europäische und amerikanische Hersteller wie
Airbus, Dassault, Eurocopter, Boeing, Northrop und General Electric. Das
erwies sich für die weitere Entwicklung in dieser Sparte als gute
Voraussetzung.
Als sich Ende 2002 die Chance eröffnete, aus der insolventen
Fairchild-Dornier zwei gut gehende Bereiche Flugzeugunterhalt und
Strukturbau am Standort Oberpfaffenhoffen – herauszulösen und zu
kaufen, wagten wir diesen Schritt. Nach der langen Phase der Insolvenz,
die mit einer gewissen Verunsicherung bei Kunden und Mitarbeitenden
verbunden war, konnten wir die Operationen in Oberpfaffenhofen rasch
stabilisieren und das Vertrauen dort zurückgewinnen, wo dieses während
der Insolvenz gelitten hatte. Dazu haben die Belegschaft, die
Sozialpartner, die Kunden, das Umfeld und insbesondere die ideelle
Unterstützung von Seiten der bayrischen Landesregierung viel
beigetragen. Mit der Neuerwerbung konnten wir unseren Bereich Aerospace
stärken, und gleichzeitig im geographischen Zentrum der deutschen Luft-
und Raumfahrtindustrie, also im Grossraum München Fuss fassen und damit
die Türe zum europäischen Luftfahrt-Markt weiter öffnen.
Früher sind wir bereits im Bereich der Pulverherstellung ein
erfolgreiches Joint Venture mit Rheinmetall eingegangen. Von Dynamit
Nobel haben wir im weiteren das Geschäft mit kleinkalibriger Munition für
Behörden, Jäger und Sportschützen erworben. Mit den entsprechenden Tätigkeiten
in Fürth und an weiteren Standorten sind wir im Bereich der
kleinkalibrigen Munition für Streitkräfte, Spezial- und
Sondereinheiten sowie Jagd und Sport in eine europäische führende
Stellung vorgerückt. Wobei in diesem Geschäft einerseits die enormen
Bestellungsrückgänge der Bundeswehr und anderer Streitkräfte schwer
wiegen, andererseits diese Situation die transnationale Konsolidierung
als Antwort geradezu provoziert haben.
Wir sind im Interesse der europäischen Konsolidierung und der
Sicherstellung entsprechender Fähigkeiten in Deutschland zu weiteren
Investitionen in diesem Bereich bereit, nehmen jedoch derzeit erstaunt
Kenntnis von einem sehr aufwändigen Verfahren des national denkenden
Bundeskartellamtes. Sehen Sie mir, sehr geehrte Damen und Herren, diesen
Blick über den Zaun der Luft- und Raumfahrt nach, denn ich glaube, das
musste in diesem Kreise gesagt sein. Dieser Bogen diente nicht alleine
der Vollständigkeit halber, sondern er wurde auch deshalb gezogen, weil
sich alle unsere Engagements hier in der Bundesrepublik dadurch
auszeichnen, dass wir keine Vorurteile oder kulturellen Barrieren zu überwinden
hatten. Unterschiedliche europäische Mentalitäten sehe ich überhaupt
eher als Reichtum denn als Nachteil und auf der Unternehmensebene steht
die gemeinsame Aufgabe so oder so im Zentrum.
Nun, zu unseren Aktivitäten in Oberpfaffenhofen:
In unseren modernen Wartungseinrichtungen betreuen wir die Bell UH-1 D
Hubschrauber der Bundeswehr und die Challengerflugzeuge des BMVg, sowie
die Alpha Jet Flotte für internationale Kunden. Ein weiterer
Schwerpunkt unserer Aktivitäten bildet der Unterhalt von Business-,
Executive- und Regionalflugzeugen darunter selbstverständlich die
Dornier 228 und 328. Wir führen in Oberpfaffenhofen ausserdem, seit über
drei Jahrzehnten eines
der grössten Service Center für Cessna Citation Geschäftsreiseflugzeuge
in Europa.
Im Bereich Service und Unterhalt von Flugzeugen sind wir insgesamt
spezialisiert auf Zelle, Avionik/Elektrik, Triebwerk und spezielle
Missionsausrüstungen. Anfang diesen Jahres konnten wir den Auftrag für
die Umrüstung und Betreuung des neuen DLR Höhenforschungsflugzeuges
HALO gewinnen, eine Kooperation mit der US Firma Gulfstream. Mit rund
450 Mitarbeitenden betreuen wir an diesem Standort im Bereich Service
und Unterhalt derzeit weltweit 700 Flugzeuge, von denen etwa 500 regelmäßig
zur Wartung nach Oberpfaffenhofen kommen. Eine weitere umfangreiche Tätigkeit
mit rund 300 Beschäftigten in Oberpfaffenhofen erbringt unsere Einheit
Strukturbau. Dort fertigen wir für Airbus Rumpfsektionen und
verschiedene weitere Bauteile. Erst vor kurzem konnten wir für den
Airbus A320 die Produktion der Rumpfseitenschalen im Wettbewerb hinzu
gewinnen und auch die weiteren Aufträge als Zulieferer mit Airbus mit
mehrjährig laufenden Verträgen absichern.
Meine Damen und Herren,
Wir von RUAG glauben an den Standort Oberpfaffenhofen und wir haben vor
Ort bereits kräftig investiert: in moderne Abläufe und Prozesse und in
die Erweiterung des Leistungsspektrums. Momentan investieren wir auch für
den neuen Seitenschalenauftrag in Fertigungsautomaten der neusten
Generation. Das zeigt Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, dass wir
unser unternehmerisches Engagement nicht aus kurzfristig angelegten
Absichten eingegangen sind. Im Gegenteil. Wir wollen langfristig in
Nischen für die Luftfahrt erfolgreich arbeiten und dabei interessante
Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung anbieten. Das Know-how, das
Potenzial und ein ausgezeichnetes Team sind vorhanden.
Wir sind kein internationaler Grosskonzern. Unsere Stärke ist die Überschaubarkeit
des Unternehmens und damit die Nähe zum Kunden. Kurz: die hohe
Flexibilität zugunsten unserer Kunden. Wir können und wollen auf die Wünsche
unserer Kunden eingehen. Unsere Aktivitäten sind auf Kundennutzen
ausgelegt: nämlich Wirtschaftlichkeit, technische, operationelle und
Einsatzsicherheit sowie Termintreue. Wir denken, dass wir zusammen mit
dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), sowie anderen
Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie, die an diesem Standort
investieren, ich möchte hier auch die IABG nennen, dem Standort
Oberpfaffenhofen ein Garant für eine positive Zukunfts-perspektive sein
können.
Das setzt allerdings voraus, dass wir bei neuen Programmen für die
militärische Luftfahrt als Nischenanbieter zum Zuge kommen. So möchten
wir zum Beispiel als Generalunternehmer die technische
Gesamtverantwortung für das Projekt und für die Systembetreuung beim
neuen Seeraumüberwachungsflugzeug P-3C Orion übernehmen. Wir
beteiligen uns an der internationalen Ausschreibung in Kooperation mit
kompetenten und erfahrenen Partnern mittelstandsähnlicher Unternehmen.
Als Unternehmer sind wir eigenverantwortlich für den Erhalt und die
Entwicklung unserer Kapazitäten, Fähigkeiten und die
Wirtschaftlichkeit. Wir können von unseren Kunden keine
Bestandssicherung verlangen. Der Kunde tut dies aber von alleine und
gerne, wenn er in unseren Leistungen seinen Nutzen erfüllt sieht. Wir
sind überzeugt, dass der Wettbewerb um die P-3C Orion Chancengleichheit
gewährt. Deshalb denken wir, dass wir mit einem neuen, dem Projekt und
der Transformation angepasstem Kooperationskonzept, unserem Know-how,
unserer Wettbewerbsfähigkeit und unserer Verlässlichkeit die
Entscheidungsträger überzeugen werden. Ich erwähnte, dass wir kein
Großkonzern sind. Wir sind uns deshalb auch bewusst, dass unser
Schwungrad für einige Projekte im Alleingang vielleicht nicht ganz
ausreichen könnte. Es kann aber ein bedeutender Bestandteil in
Kooperationsprojekten sein. Unsere Unterhalt- und Betreuungseinheit in
Oberpfaffenhofen bietet zum Beispiel zahlreiche Fähigkeiten für die
technische und logistische Betreuung des neuen Transportflugzeuges
A400M. Und unsere Kompetenzen wollen wir hier in eine größere
Kooperation einbringen, besonders wenn es um die nationale Versorgung
der Luftwaffenflotte geht. Die Gespräche darüber haben begonnen und
ich sehe der Entwicklung mit Zuversicht entgegen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Zur Luft- und Raumfahrtindustrie gehören heute und in Zukunft in der
Umlaufbahn der grossen Konzern-Fixsterne innovative, flexible, mittelständische
Unternehmen mit einem kurzen Draht zu ihren Kunden und mit der
entsprechenden regionalen Verbundenheit.
Diese Unternehmen sind in ihren Nischen wesentliche Treiber für
Innovation und Fortschritt, und sie sind Anbieter von spannenden,
zukunftsorientierten Arbeitsplätzen. Wir zählen uns hier in
Deutschland zu diesem Kreis. Und wir bedanken uns bei allen, die unser
Unternehmen und unsere Mitarbeitenden mit ihrem Wohlwollen auf dem Weg
begleiten.
Ich freue mich auf ihre Fragen und das Gespräch in dieser Runde, wo
Ihnen auch mehrere unserer Führungskräfte zum Dialog zur Verfügung
stehen.
Haben Sie Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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